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Fahrbericht: Subaru Impreza e-Boxer 2.0ie

Mathias Keiber

13 Apr. 2021

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Bei einer kurzen Spritztour im kompakten Allradler zeigt sich wieder einmal: Subaru und Souveränität sind Synonyme.

Subaru ist der weltweit größte Hersteller von Autos mit Allradantrieb, aber in Absatzzahlen gemessen sehr viel kleiner als die meisten anderen Pkw-Marken aus Japan. Bedenkt man den weltweiten SUV-Boom, ist das fast schon ein bisschen verwunderlich. Denn auch bei Experten hat die Marke einen tadellosen Ruf. Nicht zu Unrecht sprach etwa die Tageszeitung „Die Welt“ vor einiger Zeit von der „am meisten unterschätzten Automarke“.


Rund eine Million Autos produziert Subaru pro Jahr, wovon 70 Prozent in die USA gehen. Im Land der Allradfanatiker ist man damit konstant unter den 10 beliebtesten Automarken. Weltweit ist Subaru jedoch noch nicht einmal in den Top 20. In Deutschland lag der Anteil an den Neuzulassungen im vergangenen Jahr bei 0,2 Prozent. Das entsprach 5407 Fahrzeugen. Nichtsdestotrotz: Subaru-Käufer gehören zu den treuesten überhaupt. Sie schätzen eine Marke, die vielleicht nicht super-hip ist, deren Autos aber besonders zuverlässig und langlebig sind.


Vier Modelle hat Subaru auf dem deutschen Markt: mit dem Outback, dem Forester und dem XV gibt es drei SUV, dazu mit dem Impreza einen Kompaktwagen. Alle verfügen serienmäßig über Allradantrieb, alle außer der Outback sind bereits elektrifiziert und tragen als Mildhybride den Zusatz „e-Boxer“ im Namen. In diesen drei Modellen kommt ein 150 PS starker 4-Zylinder-Boxer mit 2 Litern Hubraum zusammen mit einem Elektromotor mit 16,7 PS zum Einsatz. Das E-Aggregat hilft beim Beschleunigen und übernimmt im Stop-and-Go-Verkehr auch gerne mal komplett. Für viel mehr reicht die Lithium-Ionen-Batterie mit 0,6 kWh Kapazität jedoch nicht.

Vorne wie hinten: der Impreza gibt sich markentypisch unauffällig.


Näher angeschaut habe ich mir den Impreza e-Boxer 2.0ie. Das Modell ist 4,48 Meter lang, 1,78 Meter breit, 1,52 Meter hoch und wirkt äußerlich angenehm zurückhaltend. Sperenzchen wie einen bösen Blick hat der kompakte Allradler nicht nötig. Ohnehin schätzen Subaru-Kunden keine Straßen-Autorität vorgaukelnden Designs. Stattdessen verkörpert der Impreza Souveränität und Solidität.


Das Interieur wirkt aufgeräumt und übersichtlich: Zwischen dem erfreulicherweise analogen Kombiinstrument aus Tacho und Drehzahlmesser befindet sich ein Display, das relevante Fahrdaten anzeigt. Für Navigation und Infotainment kommt ein 8 Zoll großer Touchscreen zum Einsatz, darüber findet sich ein kleineres, für gute Einsehbarkeit überdachtes Multifunktionsdisplay.

Das strukturierte Cockpit macht einem das Bedienen leicht.


Dort lassen sich essenzielle Navigationsinfos wie etwa Richtungsangaben anzeigen, doch bei Bedarf liefert die Frontkamera dorthin auch bewegte Bilder – was beim Vorwärtseinparken schonmal hilfreich sein kann. Standardmäßig wird angezeigt, was im Antriebsstrang passiert: zum Beispiel ob der E-Motor gerade unterstützt, ob man im Segelmodus die Straße entlang rollt, oder ob Energie rekuperiert wird.


Trotz dreier Displays hat Subaru, und das ist gut so, den Knöpfen nicht den Krieg erklärt. Wer beim Schalten und Walten gern die Straße im Blick behält, freut sich, dass mechanische Regler Teil des Bedienkonzepts sind.

Vorne sitzt es sich gut und dahinter ebenso.


Grund zur Freude besteht derweil nicht nur auf dem bequemen Fahrersitz, sondern auch auf der Rückbank. Denn hinter mir – 1,92 Meter groß – wird es im Auto meist eng. Im Impreza kann dort jedoch problemlos ein weiterer Mensch meiner Körpergröße Platz nehmen – und zwar ohne sich Knie oder Kopf anzustoßen. Kurzum: In Sachen Sitzkomfort kann man in der Kompaktklasse nicht mehr erwarten.


Nicht ganz so großzügig, aber trotzdem funktional, sieht es mit den Platzverhältnissen im Kofferraum aus: 340 Liter Volumen sind es regulär, 1173 Liter bei umgeklappter Rücksitzlehne. Das ist knapp unter Golf-Niveau, reicht für den Alltag aber allemal.

Der Kofferraum reicht für die meisten Einkäufe.


Und damit zu den Fahreindrücken: Aus dem Stand hört sich der Impreza sprintstärker an, als er es ist. Heißt konkret: Die stufenlose Automatik mit Allradantrieb heult ganz schön laut auf, selbst wenn man gemächlich anfährt. Viel mehr kann man dem Auto als Fahrer allerdings nicht vorwerfen. Klare Vorteile sind die sehr präzise Lenkung und das Fahrwerk, das auch auf kurvenreichen Landstraßen nicht aus der Ruhe zu bringen ist und Unebenheiten ordentlich wegschluckt.


Hauptaugenmerk der Entwicklung war das Thema Insassen-Sicherheit. Besonders stolz ist Subaru auf das „EyeSight“-System: Dabei erfasst eine hinter der Windschutzscheibe angebrachte Stereo-Kamera das Verkehrsgeschehen und leitet bis zu einer Geschwindigkeitsdifferenz von 50 km/h eine Notbremsung ein. Auf dem ADAC-Testgelände im hessischen Gründau zeigt sich: Das funktioniert einwandfrei.


Zunächst warnt das System akustisch, dann leitet es bei Nichtreagieren des Fahrers selbstständig die Notbremsung ein. Einziges potenzielles Problem: Widrige Witterungsverhältnisse, zum Beispiel Starkregen oder Schnee, beeinträchtigen die Funktionalität von Stereokamera-basierten Assistenten ohne Sensoren. Der leichte Regen während des Tests hatte jedoch keinerlei einschränkenden Effekt. Auch beim Überholen auf der Autobahn erweist sich „EyeSight“ als hilfreich: Beim Wechsel auf die jeweils linke Fahrspur beschleunigt der Wagen bei freier Fahrbahn selbstständig.

In der Platinum-Aufführung gibt's Aluminium-Pedale.


Gefahren bin ich den Impreza e-Boxer 2.0ie in der „Platinum“-Ausführung. Die steht mit 32.990 Euro in den Büchern, gleicht aber der Vollausstattung. Eine tückisch lange Aufpreisliste gibt es nicht. Auch nach unten lässt Subaru nicht allzu viel Platz. Die einzige andere Ausstattung nennt sich „Trend“ und kostet exakt 3000 Euro weniger. Somit liegen zwischen Einstiegsvariante des e-Boxers und seiner Topversion preislich gerade einmal drei Mille – und das ist vorbildlich!


Fazit: Der Impreza e-Boxer 2.0ie lässt sich mit drei Adjektiven zusammenfassen: praktisch, souverän, ehrlich – gerne auch mit einem „sehr“ vor dem jeweiligen Adjektiv. Wer keinen Hipster in sich wohnen hat, macht mit diesem Auto nichts falsch – und sehr viel richtig.





Mathias Keiber

13 Apr. 2021