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Fahrbericht Jaguar F-Pace (2021): Die zwei Seelen des Raubtiers

Arne Roller

29 März. 2021

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Die Marke Jaguar steht sowohl für elegante Fahrzeuge als auch für eine große Motorsport-Historie. Anmutig und schnell, so soll ein Jaguar sein. Auch ein SUV wie der F-Pace verkörpert erfolgreich diese Eigenschaften.

(Fotos: Jaguar)


Der äußerst erfolgreiche F-Pace war zuletzt mit über 250.000 verkauften Einheiten das Zugpferd der Briten. Rund ein Viertel aller produzierten Jaguar sind F-Pace. Mit seinem "Midcycle-Refresh" bekommt die 2016 auf den Markt gesprungenen Raubkatze jetzt einige Neuerungen: Gänzlich überarbeitet zeigt sich die Motorenpalette: Sechs neue Aggregate stehen zur Verfügung, darunter drei Diesel (163-300 PS) – allesamt Mild-Hybride – sowie drei Benziner (249-404 PS), von denen einer ganze ohne Hybridisierung auskommt und einer ans Kabel darf. Jede Motorvariante des F-Pace kommt mit Allradantrieb und einem 8-Stufen-Automatikgetriebe aus dem Hause ZF.


Jaguar F-Pace (2021): Design-Upgrades für die Außenhaut


Ein Facelift bedeutet immer auch äußerliche Veränderung. Im Falle des F-Pace darf man glücklicherweise von Verschönerung sprechen: Vorne gibt's neue LED-Scheinwerfer, eine überarbeitete Stoßstange mit Lufteinlässen und einen dezent vergrößerter Kühlergrill. Auf der Motorhaube sitzt jetzt ein angedeuteter Powerdome, der die Kraft des Fahrzeugs nochmals unterstreicht.


Am Heck erfuhren Stoßfänger und Rückleuchten eine Überarbeitung.


Natürlich wurde auch am hinteren Ende des Fahrzeugs gewerkelt: Stoßfänger und Rückleuchten zeigen ein neues Design und die Blinker sind jetzt sequentiell.

Je nach gewählter Ausstattungslinie und dem Ankreuzen des R-Dynamic-Pakets trägt der F-Pace ein ganzverschieden anmutendes Fell: elegante Gelassenheit oder leicht krawallige Sportlichkeit? Beides ist möglich.


Die elegante Variante: Der F-Pace ohne den "R-Dynamic"-Zusatz.



Jaguar F-Pace (2021): Deutliche Verbesserungen im Interieur


Viel umfassender als die Exterieur-Upgrades sind allerdings die Veränderungen im Innenraum: Hier zeigt sich endlich der einem Jaguar zustehende Grad an Exzellenz bei den Materialien. Weniger Plastik, dafür Paneele aus Aluminium oder offenporigem Holz. Hier ist einiges passiert.

Insgesamt wirkt der Innenraum viel minimalistischer. Trotzdem: Alle Temperatureinstellungen sind nach wie vor per Tasten und Drehregeler bedienbar. Eine feine Sache! In der Mittelkonsole findet sich jetzt ein richtiger Schalthebel, der sogenannte "Drive Selector" hat ausgedient. Auch hier pflichten wir Beifall. Der lederbezogenen Wahlhebel ist durchaus edler als das bisherige Drehrädchen.


Deutlich aufgeräumt: das neue Innenleben des F-Pace.


Auch im F-Pace greift der Fahrer nun ins verschönerte Lenkrad, das bereits aus dem I-Pace bekannt ist. Gleich dahinter sitzt ein 12,3 Zoll großes Fahrer-Informationsdisplay, das sich frei konfigurieren lässt.

Ganz neu in Szene gesetzt ist der 11,4-Zoll-Infotainment-Screen, der leicht gebogen ist und frei steht. Das Pivi Pro-Infotainment-System erlaubt Dual Sim und Software-over-the-Air-Updates. Zudem verfügt es über eine autarke Stromversorgung. Es muss also beim Start nicht hochfahren, sondern ist wesentlich schneller bereit, als man das gewohnt ist. Laut Jaguar sind 90 Prozent der Funktionen über maximal zwei Klicks erreichbar. Um 50% will man die Wege in den Menüs verkürzt haben.

Äußerst praktisch ist die Smartphone-App von Jaguar. Über diese lässt sich der F-Pace tracken und unter anderem auch aus der Ferne heizen oder kühlen. 



Jaguar F-Pace P400e: Futter per Kabel


Auf meine halbstündige Testfahrt nahm ich mir den Plug-in-Hybriden mit: Hier arbeiten ein 300 PS leistender 2.0-Liter Vierzylinder-Turbo-Benziner und einem 105 kW (143 PS) starker Elektromotor zusammen. In der Systemleistung bedeutet das 404 PS und ein maximales Drehmoment von 640 Newtonmetern. Voll null auf Hundert geht es in überzeugenden 5,3 Sekunden. Rein elektrisch soll der F-Pace 59 Kilometer zurücklegen können. Die 17,1 kWh-Lithium-Ionen-Batterie unterhalb des Kofferraumbodens lässt sich auch an einer Schnellladesäule mit 32 kW laden und ist dann in 30 Minuten wieder zu 80 Prozent voll. Das Kofferraum-Ladevolumen reduziert sich durch die Platzierung der Batterie von 755 auf 619 Liter.


Jetzt auch am Schlauch: Der F-Pace P400e Plug-in-Hybrid.



Jaguar F-Pace P400e: So macht ein Vierzylinder Spaß


Meine Herren, dieses SUV kann spurten! Auf der Autobahn gehts hinter dem Schild mit den drei Streifen mühelos und äußerst schnell gen 200. Der Vierzylinder bildet in Kombination mit dem E-Motor eine äußerst potente Kombination. Sogar der Sound ist dabei sehr gefällig. Und kommt dabei ganz ohne peinlich inszenierten, künstlichen Firlefanz aus. Stattdessen nutzt man die Lautsprecher im F-Pace lieber für eine sehr nützliche Neuerung: Noise-Cancelling, hier "Aktive Geräusch-Unterdrückung" genannt. Das System analysiert Geräusche von außen und hebt diese durch "destruktiven Interferenzen" – einer Art Gegenfrequenz – auf. Das macht sich bemerkbar. Auch bei 210 könnte man hier noch im Flüsterton sprechen. Das Geräusch-Ambiente ist überaus angenehm – hat etwas von Wellness. Überhaupt ist der Fahrkomfort beim F-Pace hervorzuheben. Das SUV gleitet angenehm über Bodenwellen, wobei die Identität als 4,74 Meter langes und 2,2 Tonnen schweres SUV natürlich Aufbau- und Neigbewegungen mit sich bringt. Schaltet man den Dynamic-Modus an, nehmen diese aber deutlich ab und es geht allgemein straffer ans Werk.


Drei Fahrmodi hat der Plug-in-F-Pace: Im EV-Modus nimmt der F-Pace das Gas zögerlich an, schließlich will er dann die Zuschaltung des Verbrenners möglichst vermeiden. Bei einem beherzten Kickdown wird der Verbrenner aber auch dann zuverlässig zugeschaltet. Bleiben Hybrid- und letztlich der Save-Modus, mit dem sich die rein elektrische Restreichweite für später aufheben lässt. Einen Modus für das Laden der Batterie durch den Verbrenner gibt's nicht. Diese Vorgehensweise hält man bei Jaguar Land Rover für energetischen Nonsens.



Jaguar F-Pace (2021): Das Fazit


Der F-Pace bietet einen guten Kompromiss aus Komfort und fahrdynamischer Agilität. Äußerlich hat der F-Pace nochmals an Wohlgefallen zugelegt. Die weitreichendsten Veränderungen betreffen aber den Innenraum. Deutlich aufgewertet kann der jetzt mir andere Luxus-Konkurrenz mithalten.


YesAuto-Redakteur Arne Roller mit dem Jaguar F-Pace P400e R-Dynamic. (Foto: YesAuto)


Der neue F-Pace ist schon jetzt verfügbar. Die Preise beginnen bei 54.165 Euro für den 2,0-Liter-Diesel-MHEV mit 163 PS. Der 404 PS starke Plug-in-Hybrid startet bei 70.774 Euro.



Jaguar F-PACE P400e – Technische Daten:


Fünftürer, fünfsitziges SUV mit Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.747 mm/2.071 mm/1.664 mm

Radstand: 2.874 mm

Verbrennungsmotor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner + Permanentmagnet-Synchronmotor

Systemleistung: 297 kW/404 PS bei 5.500 U/min, maximales System-Drehmoment: 640 Newtonmeter bei 1.500-4.400 U/min

Antrieb: AWD mit variabler Drehmoment-Verteilung

Getriebe: 8-Gang-Automatikgetriebe

Leergewicht: 2.189 Kilogramm

0-100 km/h: 5,3 s

Vmax: 240 km/h

Kraftstoffverbrauch (NEFZ): 2,4 l/100 km

Stromverbrauch: 17,5-17,6 kWh

CO2-Ausstoß (NEFZ): 54 g/km

Elektrische Reichweite: 59 km

Abgasnorm: Euro 6d

Tankinhalt: 69 Liter

Kofferraumvolumen: 619 bis 1.299 Liter

Preis: ab 54.165 Euro


Arne Roller

29 März. 2021