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Kia ProCeed 1.6 T-GDI GT – Kombi für den Laufsteg

Arne Roller

29 März. 2021

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Als Shooting Brake hat der schicke Koreaner im Kompaktsegment kaum Konkurrenz. Wir zeigen seine Stärken und Schwächen.

(Fotos: YesAuto)


Kia und die südkoreanischen Marken im Allgemeinen standen früher einmal für materialisierte Sparfuchsigkeit. Meist waren es Käufer fortgeschrittenen Alters, die einem vorrechneten, wie viel sie gegenüber eines deutschen Fahrzeugs gespart hatten. Immer mit dem Zusatz, dass die Koreaner inzwischen viel besser geworden seien. Im Endeffekt waren diese Leute Avantgardisten, denn die proklamierte positive Entwicklung schritt tatsächlich immer weiter voran.



Was damals vielleicht hauptsächlich ein Kostenfaktor war, ist heute so viel mehr: Kia baut nicht mehr einfach nur günstige Fahrzeuge, die als Kompromiss für Sparsame zu verstehen sind. Nein, man baut gute Autos mit einem hervorragendem Peis-Leistungs-Verhältnis und einem kompetetiven Design-Anspruch. Autos wie der Kia ProCeed GT, die mit Nüchternheit und reinem Preislistengefuchse mal so gar nichts zu tun haben. Dieser Wagen steht für Design und Leistung. Das sind seine Prinzipien. Gefolgt vom Alltagsnutzen, der bei einem Shooting Brake wie dem ProCeed GT zwar nicht ganz auf dem Niveau eines ausgewachsenen Kombis ist – aber dennoch höher als bei einem Hatchback oder einer Limousine.




Das Aussehen des ProCeed GT erinnert sowohl ein bisschen an den Porsche Panamera als auch an den Mercedes-Benz CLA Shooting Brake. Was aber nicht heißen soll, dass Kia nicht seine eigenständige Designsprache hat. Die ist definitiv vorhanden und seit 2006 maßgeblich vom deutschen Designer und Ex-VW-Angestellten Peter Schreyer geprägt. Für seine Designs gab es bei Kia über die Jahre viele Preise zu feiern. Auch der ProCeed konnte bereits den IF- sowie den Red-Dot-Design-Award einheimsen.




Und er hat wahrlich einen exklusiven Look: An der Front findet sich Kias bekannte Tigernase. In der Seitenansicht fällt die Dachlinie ähnlich flach ab, wie sie vorne mit der Windschutzscheibe ansteigt. Diese besonders symmetrische Linienführung schmeichelt dem Auge. Auf dem abfallenden Dach sorgen die Haifischflosse und der Dachkantenspoiler für einen gelungenen Abschluss. Hinten wartet der ProCeed mit einem durchgehenden Lichtband auf und zeigt stolz in großen Buchstaben seinen Namen. Wer das Schöne mit dem Nützlichen verbinden will, ist bei diesem „Kombi“ richtig.


Rote Zierlemente und der "GT"-Schriftzug im Kühlergrill.


Die GT-Variante zeigt ihre Identität durch einige rote Zierelemente: Diese finden sich am Kühler, an der Frontlippe, den Felgen und am Schweller. Zudem steht der GT immer auf 18-Zöllern.



Kia ProCeed GT: "Gewöhnliches" Interieur auf hohem Niveau


Der Innenraum des ProCeed GT zeigt sich im Vergleich zum Äußeren nicht übermäßig extravagant, aber auf hohem Niveau. Viele Softtouch-Materialien, Klavierlack und Aluminum-Elemente schaffen ein hochwertiges Ambiente. Der schwarze Dachhimmel sowie das unten abgeflachte Lenkrad sorgen zudem für einen sehr sportlichen Touch. 


Hier gibt's noch Tasten und Drehregler: Der Innenraum des Kia ProCeed GT.


Hartplastik findet sich erst in den unteren Bereichen, wo das Auge selten hinschaut. Die Übergänge von weichen zu harten Materialien sind kaum zu erkennen, so gut sind sie farblich abgestimmt. Standardmäßig kommt der ProCeed GT mit einem 8-Zoll-Bildschirm. Das große 10,25-Zoll-Infotainment-Display unseres Testwagens ist aufpreispflichtig im Navigationspaket für 1.290 Euro zu haben. Das Upgrade enthält auch die JBL-Premium-Soundanlage sowie die Online-Dienste.


Die Leder-Alcantara-Kombination kostet 1.490 Euro Aufpreis.


Die Alcanatara-Sitze mit Lederbeflankung in unserem GT-Testwagen sehen gut aus, sind dabei äußerst bequem und bieten der Sportlichkeit des Fahrzeugs entsprechend einen guten Seitenhalt. Der Fahrersitz ist elektrisch verstellbar (Komfort-Paket für 990 Euro), der Beifahrersitz ist es nicht. Die Lordosenstütze lässt sich nach vorne und nach hinten schieben, ist aber nicht in der Höhe konfigurierbar.


Was uns positiv aufgefallen ist: Im Vergleich zu einigen Testwagen in letzter Zeit ist es beim ProCeed möglich, den Sitz deutlich weiter heruntzufahren. Dennoch, die Höhe über den Sitzen beläuft sich auf nur rund 96 Zentimeter. Für Menschen mit einer Körpergröße über 1,90 kann man hier keine Empfehlung aussprechen. Und egal, wie tief man seinen Sitz einsstellt: Das weit heruntergezogene Heck schränkt die Sicht ein. Hier ist auf der Autobahn Vorsicht geboten. Von weitem heranschießende Fahrzeuge sieht man so nicht immer direkt. 


Auf der Rückbank sind die Platzverhältnisse entgegen der Befürchtungen sehr ordentlich – und das sogar in der Höhe. Shooting Brake hin oder her, hier sitzt man auch mit 1,86 meter Körpergröße noch sehr bequem. Von minimiertem Nutzwert aufgrund des Coupé-Designs kann hier kaum die Rede sein. Beim Kofferraum sieht das schon etwas anders aus. Hier zieht die Schönheit die Praktikabilität etwas runter: Der ProCeed verfügt über 149 Liter weniger Gesamt-Kofferraumvolumen (1.545) als der normale Ceed-Kombi. Das sind allerdings noch immer 99 Liter mehr als beim großen Konkurrenten Mercedes-Benz CLA Shooting Brake.


Hohe Ladekante, dafür gespickt mit praktischen Details: Das Ladeabteil des ProCeed GT.


Sehr nützlich ist die sensorgesteuerte, elektrische Kofferraumklappe. Auf dem Supermarkt-Parkplatz hilflos hinter dem Auto mit dem Fuß rumwedeln? Das war gestern. Ganz entspannt stehen bleiben und zusehen, wie sich die Heckklappe wie von Zauberhand automatisch öffnet? So läuft das heute. Praktisch ist auch das Schienensystem zur Ladungssicherung im Kofferraum des ProCeed. Zudem gibt's drei Staufächer für "Kleinkram". Sehr löblich!



Kia ProCeed GT: Antrieb und Vebrauch


Im Topmodell GT kommt ein 1,6-Liter-R4-Turbobenziner mit 204 PS zum Einsatz. Sein maximales Drehmoment von 265 Newtonmetern liegt schon bei 1.500 Umdrehungen an. Ganz ohne Mildhybridiserung hält der ProCeed die Abgasnorm ein, sprintet in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 225 Stundenkilometern. Den Vortrieb leistet ausschließlich die Vorderachse – einen optionalen Allradantrieb gibt es nicht.

Den Verbrauch gibt Kia mit 6,8 Litern an. Ich habe im Drittelmix bei einer sehr sparsamen Fahrweise mit 7,4 Litern auskommen können. Im Normalbetrieb geht's gerne einmal über acht Liter. Und wenn man sie tritt, gönnen sich die 204 Pferde auch mehr als 10 Liter Kraftstoff.



Kia ProCeed GT: Wilde Seele


Zwar verfügt der Kia ProCeed GT neben seinem Spormodus auch über einen "Normal"-Modus, aber wirklich brav und zivilisiert wird er nie. Auch im "Normalo-Modus" ist der Klappenauspuff alles andere als ruhiggestellt und auch das knackige Fahrwerk wird nicht weicher. Ja, Gaskennlinie und Schaltpunkte sind andere, aber der KiaProCeedGT bleibt immer ein Wagen mit wilder Seele.


Die echten Rohre verstecken sich hinter den großen Löchern und sind deutlich kleiner. Aber immerhin: keine Blenden!


Das Doppelkupplungsgetriebe im Kia ProCeed GT kommt gänzlich ohne Ruckeln oder eine Anfahrschwäche aus. Seine im Sportmodus späteren Schaltpunkte sind fürs flotte Fahren nötig – schließlich erreicht der Turobobenziner seine volle Leistung erst bei 6.000 Umdrehungen pro Minute. Die Lenkung ist erfrischend direkt. Ganz ohne Spiel in der Mittellage überzeugt sie mit viel Rückmeldung und einem angenehm griffigen Lenkwiderstand. Mit seinen 204 PS, die an der Vorderachse reißen, ist der Kia ProCeed GT ein äußerst fahraktives Auto. Wer hier Gas gibt, muss sich als Fahrer einbringen, muss arbeiten. Der schicke Kombi brilliert als Alltagsauto für diejenigen, für die das Autofahren eine Leidenschaft ist. Wer hingegen viel wert auf Komfort liegt, sollte vielleicht nicht zum GT zugreifen. Das Fahrwerk ist tendenziell sportlich ausgelegt. Straff abgestimmt, zeigt sich steif und lässt kaum Neigungswinkel zu. Das richtige Fahrwerk für den ProCeed GT. Wer ein bisschen Härte abkann, macht hier nichts falsch. Eine Sänfte darf man aber ganz einfach nicht erwarten.



Kia ProCeed GT: Der Preis ist heiß



Die Preisliste für den ProCeed GT startet bei 34.190 Euro. Man kann es nur betonen: Die Koreaner schnüren ein für diesen Preis sehr umfangreiches Paket. Der ähnlich starke Rivale Mercedes CLA 250 Shooting Brake (224 PS) ist ab 41.221,60 Euro zu haben und damit gute siebeneinhalb Tausend Euro teurer.

Aufpreis kosten beim Kia ProCeed GT unter anderem das Panorama-Glasdach (990 Euro), das Navigations- (1.290 Euro) sowie das Lederpaket. Das einfache Komfort-Paket bringt den elektrisch verstellbaren Fahrersitz mit Memoryfunktion und Sitzheizung auf den äußeren Sitzen der Rückbank, aber ohne die feinere Bestuhlung des Lederpakets. 

Die günstigere GT-Line, die auch mit einem 160-PS-Benziner zu haben ist, startet bereits bei 28.590 Euro und hat schon einiges an Serienausstattung zu bieten:


  • Aluminium-Sportpedale
  • Beheizbares Lenkrad 
  • Sitzheizung vorne
  • Smart-Key


Bei dem von uns getesteten GT kommt noch einiges an serienmäßigen Features dazu:


  • Sportsitze
  • Digitales-Cockpit
  • Induktives Laden
  • Klappenauspuff


Erwähnenwert ist Kias außergerwöhnlich lange Garantie: Sie gilt für sieben Jahre oder 150.000 Kilometer



Das Fazit: Übrezeugendes Gesamtpaket


Der Kia ProCeed GT hat einiges zu bieten: atteraktives Design, attraktiver Preis, attraktive Garantie. Und gegen jede Vernunft: Dieser Sound aus der Klappenanlage!

Der ProCeed GT ist ein Auto für alle, für die Fahren eine Kunst ist und denen es Freude bereitet. Wer im Alltag ein bisschen Platz zum Durchladen brauchen und guten Auspuff-Sound nie missen wollen – der findet im ProCeed GT das passende Aurto. Ob Singles oder Eltern mit Benzin im Blut, sie werden ihre helle Freude an diesem Fahrzeug haben.


Pluspunkte:

  • Sound und Fahrspaß
  • Design
  • Preis & Garantie


Minuspunkte:

  • Hyperaktiver Spurverlassenwarner, der (wenn erwünscht) bei jedem Motorstart erneut manuell abgestellt werden muss
  • Schlechte Sicht nach hinten
  • Fach fürs induktive Laden nicht durchdacht. Bei stärkerer Beschleunigung plumbst das Handy raus


Kia ProCeed 1.6 T-GDI GT – Technische Daten


Fünftürer, fünfsitziger Kombi mit Frontantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.605 mm/1.800 mm/1.422 mm

Radstand: 2.650 mm 

Kofferraumvolumen: 594 bis 1.545 Liter

Motor: 1,6-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner, 150 kW/204 PS bei 6.000 U/min, maximales Drehmoment: 265 Newtonmeter bei 1.500 – 4.500 U/min

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Antrieb: Vorderradantrieb

Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Leergewicht: 1.442 Kilogramm

0-100 km/h: 7,5 s

Vmax: 225 km/h

Durchschnittsverbrauch (WLTP): 6,8 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 153 g/km

Abgasnorm: Euro 6d

Effizienzklasse: C

Tankinhalt: 50 Liter

Preis: ab 34.190 Euro


Zusatzinformationen

Testverbrauch: 7,4 Liter

Steuer pro Jahr: 161 Euro

Versicherungsklassen KH/VK/TK: 13/23/23

Wartung: 15.000 km (max. 1 Jahr)

Garantie: 7 Jahre / 150.000 km


Arne Roller

29 März. 2021