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Faszination: Skoda bleibt im Motorsport - Gekommen, um zu bleiben

YesAuto

27 Feb. 2021

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Während sich andere Marken aus dem Volkswagen Konzern sukzessive aus dem Motorsport verabschieden, sieht das bei Skoda ganz anders aus.

„Wir haben eine große Historie im Motorsport und auch vom neuen Fabia wird es wieder eine Rallyeversion geben, die wir derzeit entwickeln“, überrascht Skoda-CEO Thomas Schäfer. Solch eine Aussage hat man lange Zeit nicht aus dem Volkswagen Konzern gehört, denn hier ziehen sich die Marken nach und nach aus ihren Engagements zurück. Am überraschendsten das komplette aus der Konzernmarke Volkswagen.


„Die Marke Volkswagen ist auf dem Weg, der führende Anbieter in der nachhaltigen Elektromobilität zu werden. Zu diesem Zweck bündeln wir unsere Kräfte und haben entschieden, eigene Motorsport-Aktivitäten für die Marke Volkswagen einzustellen“, erschütterte Volkswagen-Vorstand Dr. Frank Welsch Anfang Dezember letzten die VW-Fans, „die Motorsport-Belegschaft wird in der Folge in die Volkswagen AG integriert. Die tiefe technische Expertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie das gewonnene Know-how aus dem ID.R Projekt bleiben dadurch im Unternehmen und werden uns dabei helfen, weitere effiziente Modelle der ID. Familie auf die Straße zu bringen.“




Volkswagen Motorsport hatte eine mehr als fünf Jahrzehnte andauernde Geschichte. Beginnend mit der Blütezeit der Formel V in den Sechziger- und Siebzigerjahren und den Erfolgen in der Formel 3 engagierte sich Volkswagen mit seriennahen Fahrzeugen wie dem Polo, dem Golf und dem Scirocco auf der Rundstrecke, im Rallycross und im Rallyesport. Zu den größten Erfolgen der Marke zählen drei Siege bei der Rallye Dakar mit dem Race-Touareg (2009 bis 2011), vier Rallye-Weltmeister-Titel mit dem Polo R WRC (2013 bis 2016), zwei TCR-International-Titel mit dem Golf GTI (2016, 2017) sowie drei Rallycross-Weltmeister-Titel mit dem Polo (2017, 2018, 2020). Sogar den elektrischen Erprobungsträger VW ID.R nutzen man ab 2018 als rollendes Marketinginstrument und Rekordjäger zugleich. Die blaue Flunder hält aktuell fünf internationale Rekorde, unter anderem den Gesamtrekord am Pikes Peak, den Elektro-Rekord auf der Nürburgring-Nordschleife und am Berg Tianmen in China.



Auch bei den Edelablegern Bentley, Audi und Porsche ging man in die Eisen. Bentley zog sich nach erfolgreichen Jahren aus dem werksunterstützen Tourenwagensport zurück. Porsche strich sein jahrelang besonders erfolgreiches IMSA-Engagement in den USA und Audi stieg gleichermaßen aus den Rennserien DTM und Formel E aus. „Die Entscheidung, den Werkseinsatz in der IMSA-Serie nach der laufenden Saison zu beenden, ist uns nicht leicht gefallen“, betont Fritz Enzinger, Leiter Porsche Motorsport, „angesichts der aktuellen Unternehmenslage im Zusammenhang mit der Corona-Krise ist es aber nur konsequent, dass auch Porsche Motorsport einen Beitrag leistet, um die wirtschaftlichen Folgen zu bewältigen.“ Audi will sich ab der 2022 bei der Rallye Dakar engagieren – ein Engagement, das nicht gerade im Kernbereich der Ingolstädter steht und vor zehn Jahre von Volkswagen mit dem blauen Race Touareg erfolgreich geackert wurde. Auch Seat steht beim Thema Motorsport derzeit auf der Bremse.





Anders bei Skoda, denn die Tschechen wollen sich weiterhin sportlich in Szene setzen. Sie blicken mit ihrer 120jährigen Historie länger sportlich in die Vergangenheit als die anderen Konzernmarken der Wolfsburger. Bereits dem Jahre 1901 ist das in Mladá Boleslav beheimatete Unternehmen im internationalen Rennsport vertreten. Begonnen hatte es mit den Motorrad-Langstreckenrennen des frühen 20. Jahrhunderts. Danach machte man insbesondere in der Rallyeszene von sich reden. Erst kürzlich gewann der Skoda Fabia Rally 2 Evo mit einem Klassensieg den Weltmeisterschaftslauf der Rallye Monte Carlo. Damit setzt das schnelle Kompaktmodell die Tradition berühmter Rennfahrzeuge wie Skoda Popular Sport, Skoda Favorit 136 L oder dem spektakulären Skoda 130 RS fort.




In den 1960er-Jahren schrieb der 1000 MB für Skoda das nächste Kapitel in der Motorsportgeschichte der Marke. Als erstes Skoda-Modell mit Hinterradantrieb und Heckmotor sorgte das Fahrzeug auch im Rennsport für technologisch innovative Ansätze. Mit dem Nachfolger ŠKODA 130 RS feierte vor allem der norwegische Rallyefahrer John Haugland große Erfolge. Das Fahrzeug, das wegen seines technischen Grundkonzepts den liebevollen Spitznamen „Porsche des Ostens“ erhielt, gewann seine Klasse bei der Rallye Monte Carlo 1977 ebenso wie bei der Akropolis-Rallye in den Jahren 1978, 1979 und 1981.






Nachdem sich die Tschechen 2020 aus dem Werksmotorsport zurückzogen, können sich die Fans nicht nur in Osteuropa auf einen neuen besonders sportlichen Rallye-Fabia freuen, der 2022 Premiere feiern dürfte. Technische Basis ist die vierte Generation des Skoda Fabia, die deutlich größer als bisher auf MQB-Plattform im Herbst diesen Jahren als Serienmodell auf den Markt kommen wird. Vielleicht kommen auch andere Marken wieder auf den Motorsport-Geschmack. Denn als Image- und Technologieträger ist der Motorsport eine mehr willkommene Plattform – weltweit.


Stefan Grundhoff; press-inform

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27 Feb. 2021