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Faszination Die Zukunft des Elektro-Motorsports - Grüner Lendenschurz

YesAuto

27 Dez. 2020

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Audi und BMW haben sich auf der Formel E zurückgezogen und VW stellt die Motorsport-Aktivitäten ein. Trotzdem spielt der E-Motorsport in den Planungen der Autobauer nach wie vor eine Rolle und soll Spektakel mit Nachhaltigkeit verbinden.

Walter Röhrl ist nie um klare Aussagen verlegen. Bei der Formel E kommt das Verdikt der Rallye-Legende einer Hinrichtung gleich. „Meines Erachtens ist das abartig, ein Rennauto zu machen, damit ich in der Stadt Rennen fahren kann. Die sollen auf die Rennstrecke gehen und ordentlichen Sound machen! Dann weiß ich, dass ich bei einem Rennen bin und nicht bei einer Blindenveranstaltung", macht der Bayer aus seinem Herzen keine Mördergrube. Zwei deutsche Premiumhersteller scheinen diese Meinung zu teilen und haben ebenfalls mit der elektrischen Monoposto-Königsklasse abgeschlossen. BMW und Audi verkündeten innerhalb weniger Tage den Abschied von der Formel E nach der Saison 2021. Der Ausstieg dieser beiden wichtigen Akteure zeigt, dass der elektrische Mohr seine Schuldigkeit getan hat. Sei es als Werbeträger für die Elektromobilität bei Audi beziehungsweise dem VW Konzern oder als Möglichkeit des Technologietransfers wie BMW.







Welche Gründe die Manager auch anführen, in den Führungsetagen der deutschen Autobauer sieht man das Elektro-Spektakel eher kritisch. Der erhoffte Zuschauerschub und Imagegewinn blieben aus. Die Rennen sind nur mäßig spannend und die daher Serie als Werbeträger für die Elektromobilität nur bedingt geeignet. VW-Konzernchef Herbert Diess hat bereits vor einigen Monaten auf dem Business-Portal „LinkedIn“ seine Skepsis kundgetan. „Meiner persönlichen Meinung nach wäre es besser, den Motorsport wie folgt voranzutreiben: Die Formel 1 wird CO2-neutral, indem sie auf synthetische Kraftstoffe umrüstet. Das wären eine viel aufregendere und unterhaltsamere Rennsport-Erfahrung und (ein besserer) Technologie-Wettbewerb als die Formel E, die im Stadtzentrum ein paar Runden in einem Gaming-Modus unterwegs ist." Der zweite Streich des kantigen Managers folgte vor wenigen Tagen, als er die Volkswagen Motorsport GmbH zu Grabe trug.






Porsche folgt den Ratschlägen des Konzernlenkers nur bedingt, forciert zwar synthetische Kraftstoffe, aber hält bis auf Weiteres an der Formel E fest. Ebenso wie Mercedes, DS Automobiles via dem Techeetah-Team, Mahindra und Jaguar. Doch die Briten müssen sparen. Da sich die Elektromobilität zunehmend als Antriebsalternative bei der breiten Masse verinnerlicht, hat Jaguar den E-Markenpokal „I-Pace eTrophy“ im Zuge der COVID-19 Krise eingestellt. Aktuell führen die Formel-E Verantwortlichen Gespräche mit zwei Herstellern, die die Lücke füllen sollen. Eine Alternative ist eine Sub-Serie ähnlich der Formel 2, die dann mit den noch aktuellen Formel E Boliden der Generation 2 gefahren würde.






Die Autobauer wollen sich anstelle des grünen Feigenblatts einen ökologischen Lendenschurz umbinden und engagieren sich in der Extreme E-Rennserie, die deutlich mehr Spektakel verspricht als die Formel E. Die Stoßrichtung der Marketingexperten ist klar. Die Elektromobilität soll Sport, Spaß mit Nachhaltigkeit verbinden. Bei der Elektro-Hatz über Stock und Stein sitzen die Fahrer in 1.650 Kilogramm schweren Elektro-SUVs mit 450 kW / 544 PS, die in 4,5 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen. Die Volkswagen-Tochter Seat nimmt unter dem Namen ihrer Sport-Division Cupra mit der Fahrerpaarung Claudia Hürtgen und Mattias Ekström am Steuer des e-Cupra Abt XE1 an der Rennserie teil. Auch der Ex-Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg bringt sein eigenes Team mit, ebenso wie der DS Automobiles-Ableger Techeetah.






Zum Fahrerfeld gehören bekannte Fahrer wie die beiden ehemaligen Rallye Weltmeister Carlos Sainz Senior und Sebastien Loeb teil. Die Debütsaison 2021 umfasst fünf Rennwochenenden, die an verschiedenen Orten rund um den Erdball stattfinden und immer ein Umweltproblem als Motto haben: die Atlantik-Küste im Senegal (Plastikmüll und steigende Meeresspiegel), Saudi-Arabien (Wüstenbildung), die Region Patagonien in Argentinien (schwindende Gletscher), die grönländische Arktis (schmelzende Eiskappen) sowie der Amazonas-Regenwald (Abholzung).






Die nächste Stufe dieses Konzepts ist schon in Planung. Bei der SuperCharge-Rennserie sollen 500 kW / 670 PS starke Crossover, die in 2,5 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen, auf einem ein Kilometer langen Rundkurs durch die Stadt räubern. Für Spannung sorgen eine 2,5 Meter hohen Sprungschanze und rutschige Streckenabschnitte mit spektakulären Drifts sowie das Format mit Ausscheidungsläufen. Da diese Rennserie auch in Asien und den USA Station machen dürfte, dürften Hersteller, die Elektro-Crossover im Programm haben, diese Idee interessant finden. Opel ist schon einen Schritt weiter und wird den Corsa-e einen eigenen Marken-Rallye Pokal installieren. Auch ist Volksnähe Teil des Konzepts, da das Auto auf dem 100 kW / 136 PS starken Serienmodell basiert.


Wolfgang Gomoll; press-inform

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27 Dez. 2020