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Gebrauchtwagen-Dreikampf: BMW 3er (F30) gegen Mercedes C-Klasse (W205) und Audi A4 (B9)

Roland Wildberg

21 Dez. 2020

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Diese drei sind Bestseller in Deutschland: Der Audi A4 (B9), der BMW 3er (F30) sowie die Mercedes-Benz C-Klasse (W205) sind für viele Menschen vernünftige Traumautos und zählen zur beliebten Mittelklasse. Zwar laufen ihnen tonnige SUV den Rang ab, aber auf dem Gebrauchtwagen-Markt gelten noch andere Regeln.

Die drei Premium-Mittelklässler Audi A4 (B9), BMW 3er (F30) und Mercedes-Benz C-Klasse (W205) zählen zu den beliebtesten Gebrauchtwagen. Das Angebot ist üppig: Rund 7000 Exemplare der drei jungen Gebrauchtwagen mit unter 100.000 km und neuer HU gibt es derzeit auf dem deutschen Markt.


·Die Qualität steht ganz oben, und mit ihr der Preis: A4, 3er und C-Klasse kosten nach rund fünf Jahren immer noch viel Geld – ab 13.000 Euro geht es los.

·Audi und BMW liegen preislich gleichauf, Mercedes ist ein- bis 2000 Euro teurer.

·Das größte Angebot an Kombis findet sich bei Audi. Mercedes bietet für die C-Klasse als einziger ein Cabrio an.

·BMW schafft es, sein Image des sportlichen Fahrens sogar in vermeintlich gediegene Kreise zu transferieren. Der 3er ist das sportlichste Modell.

·Den meisten Platz und höchsten Komfort bietet Mercedes, der Audi ist als Limousine am längsten. Die Kombis sind fast gleichgroß, nur der BMW ist drei cm kürzer.


Mittelklasse ist nicht nur mittel-klasse: Das Segment oberhalb der erfreut sich hoher Beliebtheit. Kompakt bedeutet Verzicht auf Beinfreiheit und Kofferraum, Mittelklasse war und ist Autofahren ohne Einschränkungen, aber auch ohne überflüssigen Luxus. Dennoch sind alle drei Fabrikate bereits in der Serienversion sehr üppig ausgestattet. Hier merkst Du, wo um Kunden gekämpft wird.


Die Leistungsträger dieser Größenordnung stellen die drei Premium-Marken Audi, BMW und Mercedes. Ihre Produkte A4, 3er und C-Klasse haben buchstäblich Format: 4,62 Meter (BMW), 4,68 Meter (Mercedes) und 4,72 Meter (Audi) lang, bietet jedes der drei Mittelklasse-Autos sehr viel Platz und eine Fülle an Motoren und Ausstattungsoptionen.


Der jüngste: Audi A4


Der Audi ist das jüngste Produkt: Seit 2015 auf dem Markt, gibt es den Mittelklasse-Audi bereits in großen Stückzahlen als jungen Gebrauchtwagen. Gut 2300 Exemplare (neue HU, bis 100.000 km) werden aktuell angeboten. Ab 13.000 Euro kriegt man Limousinen oder Kombis aus dem ersten Baujahr mit unter 100.000 km Laufleistung.

Der Audi A4 der Generation B9 ist erst seit 2015 auf dem Markt. Durch Verwendung hochfesten Stahls konnte gegenüber dem Vorgänger Gewicht gespart werden


Bei Motoren gibt es große Auswahl zwischen Diesel-, Benzin- sowie einen Erdgas-Motor, bei Audi „g-tron“ genannt. Innovationen in der Karosserieherstellung sorgten dafür, dass bis zu 110 Kilogramm Gewicht gegenüber dem Vorgänger eingespart wurden. Im Gegensatz zu BMW und Mercedes hat der A4 Frontantrieb, gegen Aufpreis war Allrad („Quattro“) erhältlich. Quattro-Modelle machen knapp ein Viertel des Angebots aus, sie kosten etwa 2500 Euro mehr. Der Kombi Avant ist nicht teurer als die Limousine.


Motoren

Bereits der kleinste 150-PS-Benziner kommt mit dem rund 1,5 Tonnen schweren Wagen gut zurecht, sein Verbrauch mit Handschaltung liegt im Alltag bei 6,6 Liter, mit Automatik ist es rund ein Liter mehr. Der kleinste Diesel hat 122 PS, was etwas wenig ist – der nächstgrößere Motor hat 150 PS und verbraucht mit Handschaltung rund sechs Liter auf 100 km. Erdgasmodelle sind ausgesprochen selten.

Der Kombi Avant ist nicht teurer als die A4-Limousine. Als Motor ist der Benziner oder Diesel mit jeweils 150 PS zu empfehlen, beide sind sparsam


Das Basismodell des A4 hat ein digitales Kombiinstrument, Xenon-Scheinwerfer, Klimaautomatik, adaptives Fahrwerk und City-Notbremsassistent. Als nützliche Extras könntest Du nach zusätzlichen Assistenten suchen, zum Beispiel Parkassistent, Rückfahrkamera und Spurhalteassistent. Solche Extras sind relativ selten, weniger als 20 Prozent der angebotenen Fahrzeuge haben diese Features.


Der Ausgereifteste: BMW 3er


Der BMW 3er mit der internen Werksbezeichnung F30 ist mit Abstand die älteste Modellreihe im Vergleich: Bereits 2011 kam diese sechste Generation des 3ers auf den Markt, lief 2019 aus – und ist daher relativ günstig, weil der Nachfolger bei den Neuwagenhändlern steht. Zugleich ist die ausgelaufene Baureihe technisch ausgereift – wer einen jüngeren Jahrgang kauft, kann davon ausgehen, dass alle Anfangsmacken beseitigt sind.

Der BMW 3er mit dem Werkscode F30 ist der älteste im Vergleich. Damit ist er auch das ausgereifteste Modell, preislich auf Höhe des Audi


Wenn Du im Filter Erstzulassung „ab 2015“ einstellst, dann erhältst Du Fahrzeuge nach der Modellpflege. Ab diesem Zeitpunkt gab es serienmäßig LED-Scheinwerfer. Rund 2800 Exemplare werden derzeit angeboten, der Preis für einen 3er mit neuer HU und unter 100.000 km beginnt bei etwa 13.000 Euro. Klimaautomatik war seit der Markteinführung immer dabei, USB-Port und Freisprecheinrichtung kamen etwas später auch hinzu. Kombis und Diesel sind etwas in der Überzahl, 80 Prozent aller F30 3er wurden mit Automatik ausgeliefert. Die begehrten Extras Multifunktionslenkrad, Sitzheizung vorn und Einparkhilfe hinten gibt es sehr oft. Eine elektrische Sitzeinstellung ist hingegen relativ selten.


Motoren

Nach der Modellpflege brachte BMW neue, stärkere Motoren. Darunter den besonders effizienten Dreizylinder-Benziner 318i mit 136 PS. Im Alltag kommt das Motörchen auf einen Verbrauch von 7,5 Litern – beim Konsum zeigt sich die Herkunft. Denn damit ist der Dreizylinder bereits der sparsamste Benziner. Es wurde auch ein Hybrid-Auto angeboten, doch die sind als Gebrauchte äußerst rar.

Der Touring ist der kürzeste Kombi im Vergleich, um rund drei Zentimeter überragen ihn Mercedes- und Audi-Kombi


Wer weniger Spritgeld ausgeben möchte, kauft den 318d, zweitkleinsten Diesel mit 150 PS, sein Realverbrauch liegt bei etwa 5,8 Liter auf 100 km. Der stärkere 320d Efficient Dynamics (163 PS) ist auf Wirtschaftlichkeit getrimmt, schluckt im Alltag lediglich einen Zehntel-Liter mehr. Dafür lohnen sich die 2000 Euro, die er gebraucht mehr kostet als der 318d, wohl kaum.


Wenn Du gern zur Tankstelle fährst, ist eher der 340i mit 326 PS aus einem Reihen-Sechszylinder etwas für Dich. Das ist kein M (die sind noch unerschwinglich) und kostet daher ab 27.000 Euro. Etwa 60 Stück sind vakant, Auswahl und Verhandlungsspielraum sind also nicht besonders groß. Den Verbrauch willst Du ja sowieso nicht wissen.


Der gediegenste: Mercedes C-Klasse


Die Baureihe 205 ist sechs Jahre alt. Damit sind die Kinderkrankheiten beseitigt, die ersten beiden Hauptuntersuchungen überstanden und es hat 2018 auch schon die Modellpflege gegeben. Und so fallen auch die Preise der ersten Baujahre. Dass Mercedes bereits die neue Baureihe W206 angekündigt hat, sie soll 2021 auf den Markt kommen, dürfte die Preise der alten zusätzlich senken, denn auf dem Gebrauchtwagenmarkt gilt die Regel: Das Neue (Modell) ist der Feind es Alten (Gebrauchten).

Der Mercedes ist am teuersten, Du zahlst im Schnitt ein- bis zweitausend Euro mehr. Dafür erhältst Du ein besonders hoch entwickeltes Fahrwerk – und einen Stern


Kleinerer Tank

Mercedes definiert sich unter anderem über den Preis: Du gibst im Vergleich zum Audi ein- bis zweitausend Euro mehr aus für ein etwas älteres Modell. All das, um einen Stern auf der Haube zu haben? Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: Serienmäßig hat die C-Klasse ein sehr komfortables Fahrwerk mit selektivem Dämpfungssystem („Agility Control“).


Die C-Klasse ist überhaupt sehr großzügig ausgestattet: Fast alle Fahrzeuge haben Klimaautomatik, elektrische Sitzeinstellung, Sitzheizung vorn, Multifunktionslenkrad, Alufelgen sowie Einparkhilfe vorn und hinten. LED-Scheinwerfer sind Serie, ebenso das Touchpad für die Bedienung von Radio, Navi usw. Es funktioniert reibungslos, ist allerdings gewöhnungsbedürftig.

Wie Audi hat Mercedes durch moderne Fertigung Gewicht reduziert. Dazu sind fast 50 Prozent der Karosserieteile aus Alu – das spart 70 Kilogramm. Weitere 30 Kilo spart ein kleinerer Kraftstofftank, der mit 41 Liter fast ein Drittel weniger Platz hat. Einen extra großen Tank (66 Liter) gab es gegen Aufpreis. Den kannst Du nicht per Filtereinstellung suchen – am besten, Du fragst beim Anbieter nach, wenn Du auf dieses Feature Wert legst. Ein Head-up-Display war erstmals optional verfügbar, es ist leider sehr selten.


Marktübersicht

Ab 14.000 Euro gibt es die C-Klasse, das sind die ersten drei Baujahre mit etwa 100.000 km Laufleistung. Von den knapp 2000 angebotenen Exemplaren sind mehr als die Hälfte Diesel. Wer einen Kombi kauft, hat die größere Auswahl – zahlt aber nicht mehr. Den Allradantrieb „4matic“ haben rund 300 Exemplare. Die Luftfederung „Airmatic“, die es zuvor nur in der E-Klasse gab, ist selten – weniger als zehn Prozent der Autos haben sie. Aber sie gilt auch als defektanfällig, verzichte lieber darauf. Wichtig: Wer gern selbst schaltet, sucht länger, denn mehr als 80 Prozent der Autos sind mit Automatik ausgestattet.

Der Mercedes-Kombi hat bis zu 1510 Liter Volumen, der Audi Avant ebenso. Der BMW fasst weniger: 1500 Liter


Motoren

Für die C-Klasse W205 gibt es eine beachtliche Motorenvielfalt. Die kleinsten leisten 129 PS (Benziner) und 116 PS (Diesel), die stärksten sind die AMG-Triebwerke mit V6 und ein V8, der bis zu 510 PS mobilisiert. Von diesem C63 werden immerhin über 100 Stück angeboten, ab 45.000 Euro kostet diese sehr sportliche C-Klasse als Gebrauchtwagen.

Empfehlenswert ist der nächst größere Benziner im C180. Er beschleunigt die C-Klasse mit 156 PS in weniger als 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Realverbrauch liegt bei durchschnittlich 7,9 Liter auf 100 km, immer noch ein guter Wert.


Weitaus sparsamer ist der kleinste Diesel, hier beträgt der Alltagsverbrauch nur 4,9 Liter. Die 116 PS genügen, um den Kombi in 11,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu bringen, die Limo ist noch etwas schneller. Der 170 PS starke Diesel im C220 mit Biturbo verbraucht auch nur 6,2 Liter. Erstmals gibt es auch einen Diesel-Hybrid (C300 h) und ein Plug-in-Hybrid-Modell (C 350e).


Fazit


Welche Mittelklasse ist die richtige für Dich? Schwer zu sagen: Der beste Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und Leistung ist sicher der Audi, aber Mercedes und BMW haben das attraktivere Image. Wir empfehlen den BMW: Nicht unbedingt, weil er die bessere Technik hätte – sondern, weil er eine ausgereifte Baureihe ist, die technisch bereits vollendet war. Mit Auftreten des Nachfolgers ist das Auto sichtlich veraltet, das hat eine negative Auswirkung auf den Wert. Auch dürfte der Wertverfall nach fünf Jahren ohnehin stark fortgeschritten sein, so dass Du hier das beste Preis-Leistungs-Verhältnis erwarten kannst. Mercedes und Audi haben das noch vor sich.

Roland Wildberg

21 Dez. 2020