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Die Formel E vor dem Saisonstart: Hoffen und Bangen

YesAuto

12 Dez. 2020

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Der E-Mobilität ist in diesem Jahr der Durchbruch gelungen. Davon will auch die Formel E profitieren.

SP-X/Köln. Die Corona-Pandemie hat den deutschen Automobilmarkt durchgeschüttelt, aber eines ist trotz Krise unübersehbar: Der Elektromobilität ist 2020 der bundesweite Durchbruch gelungen. Allein im November wurden 29.000 Neufahrzeuge mit reinem Elektroantrieb zugelassen, was bei insgesamt 290.150 Pkw-Neuzulassungen einem Anteil von rund zehn Prozent entspricht. Jeder zehnte Neuwagen verfügt also bereits über einen Elektroantrieb. Weitere 10,5 Prozent steuern die Plug-in-Hybride (30.600 Neuzulassungen) bei, alle Hybridfahrzeuge zusammen liegen im November bei 71.900 Einheiten (24,4 Prozent Anteil am Gesamtmarkt) und damit bereits auf Dieselniveau. 


Natürlich ist dieser Durchbruch nicht zuletzt der üppigen staatlichen Innovationsprämie zu verdanken, die im Zuge der Coronakrise im Frühjahr zunächst aufgestockt und im jüngsten Maßnahmenpaket bis Ende 2025 verlängert wurde. Diese Förderung dürfte den Trend hin zum Elektroantrieb weiter festschreiben – zumal mit dem wachsenden Modellangebot, steigenden Reichweiten und dem Ausbau der Ladestationen immer mehr Hürden beseitigt werden.


Wenn im Januar die neue Formel-E-Saison beginnt, sind die äußeren Bedingungen – die mit der anhaltenden Pandemie verbundene Ungewissheit einmal außer Acht gelassen – also eigentlich recht günstig. Bislang kreisten die Elektrorenner ein wenig unter dem Radar der Öffentlichkeit, doch jetzt hofft man, dass sich das gestiegene Interesse an der Elektromobilität auch auf den elektrischen Motorsport auswirkt. Helfen soll dabei, dass die Serien in ihrem siebten Jahr nun erstmals als offizielle Weltmeisterschaft firmiert.


Die Formel E steht vor dem Start in die nächste Saison (Foto: DS Automobiles)


Zudem ist der Wettbewerb wohl so stark besetzt wie noch nie. Die französisch-chinesischen Seriensieger von DS Techeetah sehen sich der versammelten deutschen Premium-Konkurrenz gegenüber, mit Jaguar und Nissan sind weitere ambitionierte Herstellerteams am Start. Das verspricht eine spannende und umkämpfte Saison – über der aber bereits vor dem ersten Rennen im Januar in Santiago de Chile ein Schatten liegt.


Die französisch-chinesischen Seriensieger von DS Techeetah sehen sich der versammelten deutschen Premium-Konkurrenz gegenüber (Foto: DS Automobiles)


Denn nur wenige Tage nach dem offiziellen Trainingsstart Ende November haben mit Audi und BMW zwei deutsche Premiumhersteller ihren Rückzug zum Saisonende angekündigt. Beide Unternehmen begründen diesen Schritt ausgerechnet damit, dass sich die Elektromobilität nun in der Breite etabliert hat. Audi bricht daher zu neuen Gefilden auf und will künftig mit einem elektrifizierten Rallyefahrzeug bei der Dakar starten. BMW erachtet die Möglichkeiten des Technologietransfers zwischen Motorsport und Serie weitgehend als erschöpft und will sich künftig stärker auf den Ausbau seiner Modellpalette mit E-Antrieb konzentrieren. 


Beim Titelverteidiger DS Techeetah sieht man das ganz anders. Beispiel Batterietechnik: Der Akku im Formel-E-Rennwagen verfügt mit 50 kWh über die gleiche Kapazität wie im Serienauto DS 3 Crossback E-Tense. Nur die Spannung unterscheidet sich: Der Batterie im Serienauto reichen aktuell 400 Volt, im Rennwagen sind es bereits 900 Volt. Aber die Serienfahrzeuge werden hier schnell aufholen. „Der Elektroantrieb wird immer besser und effizienter“, sagt Thomas Chevaucher, technischer Direktor DS Performance „davon werden alle künftigen Modelle von DS Automobiles profitieren. Schon jetzt gibt es viele Parallelen zwischen Motorsport und Serie – mit dem einzigen Unterschied: in der Formel E wollen wir mit begrenzter Energiemenge möglichst schnell fahren, in der Serie möglichst weit.“ 


Beim Titelverteidiger DS Techeetah blickt man mit Freude auf die nächste Runde (Foto: DS Automobiles)


Die beiden Doppelrennen in Chile und Saudi-Arabien absolvieren Vorjahressieger Antonio Felix da Costa und Jean-Eric Vergne noch im Siegerfahrzeug von 2019/2020; infolge der Pandemie entfiel die Notwendigkeit, mit einem neuen Auto zu starten. Erst zum fünften E-Prix, der im April in Rom stattfinden soll, wechselt das Team auf das neue Auto.


Danach stehen bis Ende Juli Stadtrennen in Paris, Monaco, Seoul, Berlin, New York und London im Kalender. Während die E-Mobilität die Mitte der Gesellschaft erreicht, kommt auch der Motorsport von den Rennstrecken im Grünen ins Zentrum der Metropolen.


Die Stadtkurse sind besonders Zuschauer-freundlich (Foto: Jaguar)


Keine Abgase, weniger Lärm: Das soll eben nicht nur klassische Motorsportfans ansprechen, sondern auch neue Zielgruppen, hofft Chevaucher: „Familien können das Rennen beim Picknick im Park verfolgen und mit ihren Kindern erleben.“ Dafür gibt es sogenannte „Fun-Zones“ mit Großbildschirmen, auf denen man die E-Boliden kostenlos erleben kann. Auch das kompakte Format soll die Attraktivität steigern. Trainings, Qualifyings und Rennen finden alle an einem Tag statt. Während der Formel-1-Fan das ganze Wochenende über an der Strecke campiert, kann man hier eben auch einfach mal vorbeischauen, ein paar Stunden verbringen und dann wieder nach Hause gehen.

Der weitere Verlauf der Pandemie ist aber auch hier die große Unbekannte: Gerade das Konzept, den elektrischen Motorsport in die Stadtzentren zu bringen, könnte zum Problem werden, wenn bis weiterhin Großveranstaltungen mit Publikum verboten bleiben sollten.


Peter Eck/SP-X


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12 Dez. 2020