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Formel 1: Sensation durch Perez und Russell

Frederik Hackbarth

07 Dez. 2020

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Sensation in der Wüste von Bahrain: Sergio Perez gewinnt beim Großen Preis von Sakhir am Sonntag das erste Formel-1-Rennen seiner Karriere im 190. Anlauf! So lange hat kein anderer Pilot in der Geschichte der Königsklasse auf den ersten GP-Sieg warten müssen. Perez wird damit zum 110. Grand-Prix-Sieger in der Formel 1, ist aber erst der zweite Mexikaner, dem dieses Kunststück gelingt.

"Ich bin sprachlos. So viele Jahre habe ich davon geträumt, ganze zehn Jahre hat es gedauert. Heute hatte ich das Glück auf meiner Seite", freut sich Perez und verdrückt nach der Zieldurchfahrt und auf dem Podium einige Freudentränen. Ein Cockpit hat der 30-Jährige für 2021 zwar noch nicht, gilt allerdings als heißer Kandidat bei Red Bull. Die Vorstellung vom Sonntag dürfte da gerade recht kommen. Vielleicht gilt für Perez' Karriere nun der gleiche Leitsatz wie für das Rennen: "Es zeigt sich immer wieder: man darf nie aufgeben! Denn eigentlich war das Rennen nach Runde eins schon vorbei", so Perez.


Eine Kollision in Kurve vier mit Ferrari-Fahrer Charles Leclerc reißt diesen genauso ins Aus wie Max Verstappen. Perez wird dabei umgedreht und muss anschließend zum Reifenwechsel an die Box, ehe er dem Feld vom Ende aus hinterherjagt. An der Spitze sorgt unterdessen ein anderer Mann für die Schlagzeilen: George Russell, Ersatzpilot für den am Coronavirus erkrankten Lewis Hamilton, schnappt sich schon am Start die Führung von Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas und baut diese nach den ersten Boxenstopps auch noch gehörig aus.

Im letzten Renndrittel wird es dann aber turbulent. Mit Neuling Jack Aitken fliegt ausgerechnet der Mann ab, der den aufgerückten Russell bei Williams ersetzt und verteilt seinen Frontflügel auf der Strecke. Auf das ausgerufene Safety-Car reagiert Mercedes kurzfristig und holt die beiden Führenden zum Doppelstopp. Doch dabei kommt es in der Eile zur fatalen Verwechslung: die Mechaniker ziehen Russell für Bottas vorgesehene Reifen auf und schicken ihn wieder auf die Strecke. Der Finne verliert dahinter ebenfalls viel Zeit, muss erst warten, weil seine Pneus weg sind und wird dann nach großem Durcheinander doch mit den alten Gummis zurück ins Rennen geschickt.


Um einer Strafe zu entgehen, muss Mercedes den Fehler bei Russell umgehend beheben und der Brite einen Umlauf später wieder stoppen. Damit fällt er hinter Bottas auf Rang fünf zurück. TV-Experte Timo Glock erklärt: "Mit dem Doppelstopp hat Mercedes eigentlich den Sieg weggeworfen. Sie hätten locker die Pace gehabt, um so zu Ende zu fahren. Selten, dass man so einen Fehler bei ihnen sieht."

Doch um ein Haar hätte Russell die Kartoffeln dennoch aus dem Feuer geholt: der Brite zeigt eine starke Leistung, überholt erst Bottas mit einem mutigen Manöver, dann auch noch den Dritt- und Zweitplatzierten, bis nur noch der Führende Perez vor ihm liegt, auf den er rasant aufholt. Den ersten GP-Sieg vor Augen, macht dann aber ein Reifenschaden hinten links Russell endgültig einen Strich durch die Rechnung. Er muss erneut an die Box und wird am Ende enttäuschter Neunter. Ex-Pilot Alex Wurz findet tröstende Worte: "In die Herzen der F1-Fans hat er sich trotzdem gefahren. Da ist heute ein neuer Stern aufgegangen."


Bitter, vor allem aber für Bottas: Mercedes' etatmäßige Nummer zwei wird im Rennen zeitweise auch von Hamiltons Vertreter vorgeführt. Mit seinen alten Reifen kommt der Finne als Achter nur eine Position vor Russell ins Ziel, der ihn nach der letztlich zwar unbelohnten, aber dennoch sensationellen Vorstellung wohl eher früher als später bei Mercedes ablösen dürfte.

Während bei Serien-Sieger Mercedes die langen Gesichter dominieren, knallen beim Kundenteam Racing Point die Korken. Nicht nur, dass Perez für den ersten Sieg des Teams sorgt, Teamkollege Lance Stroll komplettiert als Dritter auch noch das Podest. Zwischen die beiden rosa Renner schiebt sich mit Esteban Ocon ebenfalls ein Neuling auf dem Podium. Strahlende Gesichter gibt es am Sonntag in der Wüste aber nicht nur in der Formel 1: der Deutsche Mick Schumacher macht im Finale der Formel 2 wie erwartet den Titelgewinn klar.


(Fotos: Racing Point / Mercedes / F1)

Frederik Hackbarth

07 Dez. 2020