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Vollelektrische V-Klasse als EQV am Start

Mathias Keiber

21 Sept. 2020

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Mit der V-Klasse, als Nachfolger der Viano- und Vito-Modelle, hat Mercedes-Benz 2014 für sich das Segment der „Kleintransporter“ in „Großraumlimousine“ umbenannt. Dementsprechend gibt es nun mit dem EQV die erste vollelektrische Großraumlimousine der Marke mit dem Stern.

Mit der V-Klasse, als Nachfolger der Viano- und Vito-Modelle, hat Mercedes-Benz 2014 für sich das Segment der „Kleintransporter“ in „Großraumlimousine“ umbenannt. Dementsprechend gibt es nun mit dem EQV die erste vollelektrische Großraumlimousine der Marke mit dem Stern.


(Alle Fotos: Mercedes-Benz)


So, da ist sie nun, die „erste Premium-Großraumlimousine von Mercedes-Benz mit rein batterie-elektrischem Antrieb“. Laut Hersteller kombiniert sie die Variabilität der V-Klasse mit den Vorteilen eines lokal emissionsfreien Antriebs. Das mit der Variabilität funktioniert so: Die Batterie ist im Unterboden verbaut, dort ist sie nicht nur geschützt, sondern sie spart Platz und sorgt für einen günstigen Schwerpunkt des Fahrzeugs. Auf diese Weise soll der EQV die gleiche Variabilität und Funktionalität wie sein konventionell angetriebenes Schwestermodell bieten.


Konkret heißt das: Es ist Platz für bis zu acht Personen im Innenraum, je nach Konfiguration, und im Gepäckraum steht ein Stauvolumen von bis zu 1.410 Litern bereit. Somit eignet sich der EQV als Großfamilienfahrzeug ebenso wie als Shuttle. Keine Frage: Mercedes-Benz sieht in dem Modell natürlich auch einen „repräsentativen Dienstwagen“. Wir sprechen hier schließlich von einer „Premium-Großraumlimousine“.



Obendrein verspricht die Premium-Marke jede Menge batterie-elektrischen Fahrspaß, das sicher auch nicht zu Unrecht, stellt der EQV doch ein maximales Drehmoment von 362 Newtonmetern bereit. Vergleichsweise kraftvoller Durchzug ist also garantiert. Außerdem steigert die tief positionierte Batterie die Agilität. Der Elektromotor hat eine Spitzenleistung von 150 kW (204 PS), die Dauerleistung beläuft sich auf 70 kW (95 PS). Den Strom liefert die wassergekühlte Lithium-Ionen-Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 90 kWh. Damit soll eine Reichweite von bis zu 418 Kilometern drin sein.


Eine Extraportion Fahrkomfort bietet die auf Wunsch erhältliche Luftfederung mit automatischer Niveau-Regulierung. Bei Bedarf kann die Bodenfreiheit erhöht werden und bei höheren Geschwindigkeiten senkt das „Airmatic“ genannte System das Fahrzeugniveau ab und verringert so den Luftwiderstand – was sich positiv auf den Stromverbrauch und damit auf die Reichweite auswirkt.



In Sachen Vernetzung ist der EQV in ein elektromobiles Ökosystem eingebunden. Es soll Fahrer dabei unterstützen, ohne Reichweitenangst ans Ziel zu kommen. Schlüssel hierzu ist das Infotainmentsystem MBUX mit hochauflösenden 10,25-Zoll-Touchscreen und die „Mercedes me“-App. Damit können auch die Vorklimatisierung aktiviert, die Ladeeinstellungen angepasst und die Navigation bedient werden.


Per „elektrischer Intelligenz“, so nennt es Mercedes-Benz, beginnt die Planung der Fahrt über MBUX im Fahrzeug oder die „Mercedes me“-App im Vorfeld. So lässt sich der Familienausflug bequem vom Frühstückstisch aus planen: „Einfach das Fahrtziel und die gewünschte Abfahrtszeit für die Vorklimatisierung wählen, damit der EQV schon zu Fahrtbeginn angenehm temperiert ist“, frohlocken die Stuttgarter. Beim Start aktualisiere MBUX dann die per App ans Fahrzeug gesendete Route auf Basis der aktuellen Verkehrs- und Wetterdaten, der Strecken-Topografie, der aktuellen Reichweite und der verfügbaren Ladestationen.



Dabei wählt das Navigationssystem stets die optimierte Route mit wenigen Ladestopps und kurzen Ladezeiten – einkalkuliert wird die voraussichtliche Ladedauer, Schnellladestationen bevorzugt. Während der Fahrt aktualisiert das System die verbleibende Reichweite und reagiert dabei unmittelbar auf Veränderungen, etwa wenn der Fahrer den Fahrstil ändert.


Laden lässt sich der EQV sowohl mit Wechselstrom (AC) mit bis zu 11 kW zuhause, als auch mit Gleichstrom (DC) mit bis zu 110 kW außerhaus. Damit kann der EQV an einer Schnellladestation in rund 45 Minuten von 10 bis 80 Prozent aufgeladen werden. Den Zugang zu öffentlichen Ladestationen von über 300 Betreibern inklusive der Schnellladesäulen von Ionity ermöglicht der Service „Mercedes me Charge“.



Energie speichert der EQV jedoch auch im Schub- und Bremsbetrieb durch Rekuperation. Deren Intensität kann individuell über Schaltwippen hinter dem Lenkrad eingestellt werden. Fünf Stufen stehen zur Auswahl:


  • In Stufe „D Auto“ passt der EQV die Stärke der Rekuperation dynamisch und vorausschauend an, basierend auf Daten der Sicherheitsassistenten, der Kamera und der Navigation, zwischen 0 und -2 m/s²
  • In Stufe „D +“ segelt der EQV, es erfolgt keine Rekuperation (0 m/s²)
  • In Stufe „D“ wird der EQV durch ein Rekuperationsmoment verzögert, das mit dem konventionellen Schubbetrieb eines Verbrennungsmotors vergleichbar ist (-0,6 m/s²)
  • In Stufe „D -“ wird das Rekuperationsmoment auf -1,5 m/s² erhöht
  • In Stufe „D - -“ stellt der Elektromotor sein maximales Rekuperationsmoment von -2 m/s² zur Verfügung, in dieser Stufe ist sogenanntes „Ein-Pedal-Fahren“ möglich


Zusätzlich unterstützen vier Fahrprogramme bei der Wahl zwischen maximalem Komfort oder maximaler Reichweite:


  • In der Standardeinstellung „C“ steht die volle Antriebsleistung von 150 kW bei maximal 362 Nm bei hoher Heiz- und Klimaleistung zur Verfügung
  • Das Programm „E“ ist, bei guter Heiz- und Klimaleistung, reichweitenoptimiert und bietet 100 kW Leistung (150 kW mit Kickdown) bei maximal 293 Nm Drehmoment
  • Das Programm „E+“ ist auf maximale Reichweite ausgelegt, die Leistung beträgt 80 kW (150 kW im Kickdown) bei einem maximalen Drehmoment von 293 Nm, die Heiz- und Klimaleistung ist stark reduziert
  • Beim Programm „S“ liegt der Schwerpunkt auf bestem Ansprechverhalten für sportliche Fahrperformance. Dies führt zu 150 kW Leistung bei maximal 362 Nm Drehmoment kombiniert mit einer steilen Gaspedalkennlinie sowie einer hohen Heiz- und Klimaleistung


Bei Fahrzeugen mit Luftfederung gibt es zusätzlich noch die Funktion „Lift“. Sie hebt das Fahrzeug bei niedrigen Geschwindigkeiten für mehr Bodenfreiheit an.

Produziert wird die vollelektrische Großraumlimousine in Vitoria, Spanien, auf einer Linie mit der konventionell angetriebenen V-Klasse. Das ermöglicht eine flexible Produktion entsprechend der Kundennachfrage.



Die Preise für den EQV 300 Brutto starten bei 71.388,10 Euro, dank aktuell verringerter Mehrwertsteuer bei 69.588 Euro. Davon darf man dann noch 7.500 Euro Elektroautobonus abziehen, so dass unterm Strich 62.088 Euro bleiben.



Mathias Keiber

21 Sept. 2020