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Weltspiegel: China kurbelt die Konjunktur an – Vorbild für Europa? Elektroautos tun sich nach Corona schwer

Yesauto

07 Mai. 2020

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Auch wenn viele den Corona-Zahlen aus China nicht so recht trauen – der größte Automarkt der Welt scheint das gröbste mittlerweile hinter sich zu haben. Die Werke produzieren bereits seit mehreren Wochen wieder und auch die Nachfrage lebt auf. China ist sich der Wichtigkeit der Autoindustrie dabei sehr bewusst. Kaum ein anderes Land hat eine derartige Kontrolle über Produktion, Verkehr und Zulassungen. Damit die Autobranche so schnell als möglich wieder nach oben kommt, hat die chinesische Regierung ein ganzes Paket von Maßnahmen beschlossen, die Verbrauchern und Herstellern gleichermaßen helfen sollen. Einige der Hilfen könnten dabei ein Vorbild für den europäischen und speziell für den deutschen Automarkt sein.





So haben mehr als 20 Provinzen, darunter Peking, Tianjin, Shanghai, Chongqing, Guangdong, Xinjiang, Hainan, Shandong, Jiangsu und Zhejiang, verschiedene Richtlinien erlassen, die die Autoverkäufe ankurbeln sollen. Der Distrikt Hangzhou lockerte zum Beispiel seine stark beschränkten Zulassungszahlen konventioneller Autos kurzfristig um 20.000 Einheiten. Guangzhou kündigte eine Erhöhung der Zulassungszahlen für kleine und mittlere Pkw mit Verbrennungsmotor um sogar 50.000 Fahrzeuge an. Der Großraum Shenzhen will eine Erhöhung der Verbrenner-Zulassungszahlen um 40.000 Einheiten genehmigen. Noch wichtiger dürften den Endkunden verschiedene Subventionen beim Neuwagenkauf sein, denn ähnlich der vor mehr als zehn Jahren auch in Deutschland eingeführten Abwrackprämie unterstützt die jeweilige Regionalregierung solche Autokäufe, bei denen für ein neues Modell ein Altfahrzeug entsorgt wird.





Viele Regionen haben die ansonsten strengen Einfahrtsbeschränkungen für PKW und speziell Kleinlaster in die Städte komplett aufgehoben. Zudem ist es aktuell möglich, seinen Gebrauchtwagen auch überregional zu verkaufen, was sonst weitgehend untersagt ist. Die generell erhobene Mehrwertsteuer wurde zudem bis auf weiteres ausgesetzt. Einige Regionen haben sogar spezielle Fonds zur Förderung des Gebrauchtwagenverkaufs eingerichtet. „Wir sehen klare Anzeichen dafür, dass die Anreize und die Subventionen funktionieren“, so Dr. Jan Burgard, geschäftsführender Partner bei Berylls Strategy Advisors, „das Verkaufsvolumen von Pkw im März betrug 1,04 Millionen Einheiten, es ist zwar ein Rückgang von 40,4 Prozent im Jahresvergleich, aber auch ein deutlicher ein Anstieg von 317,3 Prozent im Vergleich zum Februar.“


Nach der auch in China noch nicht völlig überstandenen Corona-Krise kommen gerade einige Hersteller besser auf die Räder als andere. So betrug das Verkaufsvolumen von Geely im März 69.869 Fahrzeuge, ein Rückgang von 40,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Verkaufsvolumen von Changan betrug 67.334 Fahrzeuge, ein Defizit von 21,6 Prozent, aber eine deutlich bessere Entwicklung als der Durchschnitt. Düster sieht es nach wie vor bei Great Wall aus, die mit 40.739 Fahrzeuge einen Rückgang von 51,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen hatten. Positiv sieht es für die deutsch-chinesischen Joint Ventures aus, wo gerade FAW-Volkswagen und SAIC Volkswagen führende Positionen einnehmen. FAW-Volkswagen lag im März mit 115.909 verkauften Fahrzeugen an Platz eins, minus 24,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, gefolgt von SAIC Volkswagen mit 85.200 Einheiten; minus 45,2 Prozent. Luxusmarken schnitten im März besonders gut ab. Auffällig dabei insbesondere BBAC (Beijing Benz) und BBA (Brilliance BMW), die beim Absatz unter allen OEMs den fünften und zehnten Platz in der Top-Ten-Liste erreichten.





So setzte Beijing Benz im März 51.400 Fahrzeuge ab, ein Rückgang von nur minus 1,9 Prozent im Jahresvergleich; Brilliance BMW konnte 41.200 Fahrzeuge an Kunden verkaufen, ein Rückgang von minus 12,9 Prozent. Das Defizit fiel geringer aus als bei den Joint-Venture-Volumen-Wettbewerbern, was einmal mehr zeigt, dass sich die Premiumanbieter schneller erholen als die Volumenhersteller und chinesischen Konkurrenten. So sind Fahrzeuge wie die Mercedes C-Klasse, der Audi A4, der 3er von BMW und die Mercedes E-Klasse im März in die Top 20 der chinesischen Autoverkäufe eingestiegen; alles andere als normal auf dem China-Markt.






Schwer tun sich nach der Corona Krise die Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben (NEVs), die im März gerade einmal 53.000 Einheiten verkaufen konnten - ein Rückgang von 48,8 Prozent und lediglich ein Anstieg von 280 Prozent im Monatsvergleich. Dr. Jan Burgard: „Wir beobachten bei den elektrisch angetriebenen NEVs eine wesentlich langsamere Erholung als bei den Autos mit konventionellem Antrieb. Die schwächere Belebung des NEV-Marktes ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor stärker von den aktuellen Subventionen und Maßnahmen profitieren als NEVs.“ Von den Elektrofirmen tut sich Tesla aktuell am leichtesten. Das Model 3 erreichte im März knapp über 10.000 Verkäufe; 160,5 Prozent mehr als im Februar. Damit liegt das Tesla Model 3 vor Mercedes C-Klasse, Audi A4 und BMW 3er-Reihe. Mit 16.680 verkauften Model-3-Versionen ist das Tesla-Volumen doppelt so hoch wie das des neuen BYD EV. Die neuen BYD-Modellreihen EV und BAIC EU Series rangierten mit einem Verkaufsvolumen von 5.066 bzw. 4.450 Fahrzeugen hinter Tesla abgeschlagen auf Platz zwei und drei.






Stefan Grundhoff; press-inform


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